Beiträge vom Juli 2008
Seit gestern habe ich einen neuen Namen hier in der Bibliothek: Cabbage. Schön nicht? Denn gestern waren wir an der River Valley High School, um unser Buch „Stuck in Neutral“ von Terry Truman vorzustellen. Die Buchpräsentation war ja recht aktiv, zumindest für mich. Ich spielte den Hauptcharakter und ich stellte die Situation des behinderten Shawn dar. Es wird im Buch so beschrieben, dass er sich wie ein Gemüse fühlt, weil er sich nicht bewegen kann. Wieso die anderen jetzt gerade Cabbage wählten, konnten sie mir immer noch nicht klar machen. Ich wäre glaub lieber ein Rüebli gewesen.

Jedenfalls ging soweit alles gut gestern. Die Schulhalle war voll und ich hatte genügend Publikum. Leider provozierte mich Herman, ein Bibliothekar, während dem Sketch und es fiel mir ungemein schwer, nicht zu lachen. Zudem improvisierte er ziemlich mit seinem Dialog und ich wartete vergebens auf ein Stichwort. So viel ich dann nicht so deutlich tot um, wie das vorgesehen war. Janu.

Ansonsten war es mal wieder sehr spannend, den Schulbetrieb hier zu beobachten. Folgendes fiel mir auf:
- In den Klassen befinden sich zwischen 30 und 40 SchülerInnen!
- In allen Schulen tragen sie eine Schuluniform. Jede Schule hat ihre eigene Uniform und aufgrund dessen kann man erraten, ob die Person an eine eher gute oder schlechte Schule geht…
- Überall sind Sprüche wie „Respekt“, „Lerne für dein Leben“, „Tue gutes für die Gesellschaft“ etc. verewigt.
- Neben dem Unterricht muss jede/r SchülerIn ein Programm wählen. Das kann beispielsweise Drama oder Computer Club oder körperliche Ertüchtigung sein etc. (Zu meinem Schrecken kann das bedeuten, dass in den Gängen, SchülerInnen in Militäruniformen herumlaufen und vor einer ranghöheren Person (gleich ob SchülerIn oder LehrerIn) salutieren müssen.)
- Jede Schule hat ein Lied, das in Reih und Glied gesungen wird.
- Jede SchülerIn muss Freiwilligenarbeit leisten, bereits schon in der Primarschule 6 Stunden pro Jahr. Die jüngeren gehen dann meistens ins Altersheim und besuchen dort die Pensionäre. Die älteren können die Institution beispielsweise die Bibliothek selber wählen.
- In gewissen Schulen wird Danke im Chor gesagt: „Thank you, Mam“ etc.
Man erfährt also immer allerhand bei Schulbesuchen mit der Bibliothek. Meine ArbeitskollegInnen informieren mich jeweils über die Spezialitäten der Schule und antworten bereitwillig auf meine zahlreichen Fragen. Oder man lernt zum Beispiel Malay, weil man die Zeit tot schlagen muss. Ich kann jetzt zum Beispiel folgendes sagen: Saya sayang buku = Ich mag Bücher!
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Mit Tag(s) versehen: Schulbesuch, Schulwesen
Heute morgen wusste ich nicht so recht, was mich erwartet. Denn auf meinem Arbeitsplan stand „Preparation Outreach“. Zwar tönten sie bereits vage an, dass ich wohl verkleidet auf die Bühne muss, aber wie und als was genau…
Das Rätsel wurde schnell gelüftet. Ich spiele am Mittwochmorgen ein Gemüse, genauer einen Kabis. Denn es geht um ein Buch, das unter anderem in einer Schule vorgestellt werden soll. Um die Aufmerksamkeit der Schülerschaft zu haben, wird eben ein kleiner Dialog aus dem Buch nachgespielt. Das Buch scheint mir recht interessant zu sein. Ich muss gottseidank nur ein Satz sagen. Das ist wohl auch besser so, denn schliesslich propagiert die Regierung ein Good English mit einer Kampagne.
Ganz im Allgemeinen wird hier sehr viel unternommen, die Kinder und Teens zum Lesen zu bringen. Es gibt Buchclubs, öffentliche Diskussionen anlässlich des READ-Festivals und viel Storytelling für die Kinder. Anlässe an Schulen sind relativ regelmässig und entstehen meist in Zusammenarbeit mit den Lehrern oder den Schulbibliothekarinnen. Dieses Mal wird ein grosser Aufwand betrieben und es sind ca. 6 Personen involviert. Offenbar soll auch ein Video aufgenommen werden, um dem Management etwas vorweisen zu können. Ev. gibt es dann mal einen professionelleren Film. Meine Gemüserolle wird also verewigt und ich hoffe einfach inständig, dass sie sie nicht auf youtube stellen. Arrg!
Wir hatten aber heute beim Basteln meines Kabiskopfes sehr viel Spass und probten den Ablauf etliche Male. Sie meinten, sie könnten sogar sagen, dass der Kabis aus der Schweiz importiert wurde. Aber der Witz versteht niemand ausser uns. Also lassen wir es bleiben. Drückt mir die Daumen für Mittwoch, damit ich meine Rolle seriös hinbekomme. Es ist nämlich gar nicht so einfach, ernst zu bleiben und ein Gemüse zu spielen!

Jess_Kabis am Entstehen
Kategorien: Bibliothek
Mit Tag(s) versehen: Buchbesprechung, Schulanlass
Diesen Sonntag war ich mal ohne die Hongkong-Connection unterwegs. Sie hatten gestern den Event, für den sie so hart gearbeitet hatten. Deshalb nahm ich an, dass sie so oder so ausschlafen wollten. Mein Ziel war eigentlich schon seit längerem gesetzt und ich wollte die nahe Insel Pulau Ubin im Osten Singapurs besuchen.
Gemäss Reiseführer soll man auf der besagten Insel noch das authentische Leben mit viel Natur besichtigen können. Die Bootsfahrt von 10 Minuten überstand ich ohne Probleme und setzte meine Füsse mit viel Energie auf das noch nie von mir betretene Land. Der Führer pries auch die Möglichkeit an, ein Fahrrad zu mieten. Ein gutes Mountainbike wartete auf mich und wir nahmen Stock und Stein ohne Probleme. Es ist ein ganz anderes Gefühl mit Stossdämpfern zu fahren. Gut habe ich mein Cityvelo in der Schweiz gelassen.:-)
Die Insel bietet verschiedene Landschaften. Einerseits hat es Mangrovenwälder, andererseits aber auch Fels-Küstenwälder mit hohen Bäumen und total verwildert. Auf der Insel selber hat es einige Seen, welche umgeben sind von hohen Felsen. Ich genoss die oftmals einsame Fahrt auf den Strassen oder Wegen und konnte so meinen Gedanken nachhängen.
Neben einer Wildschweinfamilie und einer Art Rieseneidechse sah ich noch drei Individuen mit einer weissen Bekleidung, auf der mit roter Schrift Helvetia draufstand. Die Gruppe entpuppte sich als ein Teil der Schwimmdelegation für Peking und ich sprach mit dem einen Coach, der auch in Uster trainiert. Er trug nämlich ein T-Shirt, mit der Werbung der Clientisbank in Uster drauf. Die Welt ist doch echt klein! Die Schwimmer trainieren offenbar momentan in Singapur bevor sie dann nach Peking weiterfliegen. Ich getraute mich dann aber nicht, ein Foto mit ihnen zu machen. Ihr müsst mir diese Erlebnisse einfach abnehmen.
Nachdem ich dann ca. fast 5 Stunden nonstop auf dem Zweirad gesessen und ich jede Strasse auf der Insel abgefahren bin, genehmigte ich mir ein Mittag- oder Nachtessen. Mit den Essenszeiten ist das nämlich so eine Sache, total unregelmässig und dementsprechend ungesund.
Überglücklich von dem vielen Grün und der frischen Brise bin ich nun wieder in meiner neutralen Kammer und frisch geduscht. Es gäbe noch viel zu beschreiben, doch ich gebe auf. Ich bin viel zu müde. Bilder sind deshalb an der Reihe!
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Palmen
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Mangrovenwälder
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Me and my bike
Kategorien: Reisen
Mit Tag(s) versehen: Pulau Ubin
Der NLB hatte diese Woche Besuch von einer Delegation der Sarawak State Library. Sie besuchten unter anderem auch die Jurong Regional Library, um die Teens Abteilung anzusehen. Ich konnte bei einem Gespräch mit ihnen dabeisein. Es war recht spannend zu sehen, was ihre Herausforderungen im Bibliotheksalltag sind. Beispielsweise müssen sie auch die Bürger irgendwo im Dschungel mit Informationen versorgen. Die Infrastruktur ist schlich schlecht und teilweise müssen sie mit Booten in die abgelegenen Dörfer und auch in Longhouses übernachten.
Offenbar ist es für sie nicht so einfach, neue Projekte in Angriff zu nehmen, da ihnen die Hände von der Regierung gebunden sind. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich das richtig verstanden habe. Aber sie haben sicher tiefere Bibliotheksziele im Vergleich zu Singapur. Sie erreichen viel weniger Benutzer.
Kategorien: Bibliothek
Immer mittwochs ist ladies night, was soviel bedeutet wie freien Eintritt und Drinks for free in Clubs. Diese Woche war ich also das erste Mal im Ausgang mit zwei meiner Bewohnerinnen und einer Arbeitskollegin von ihnen.
In Singapur geht man in Clark Quai in den Ausgang. Dort reiht sich ein Club nach dem anderen. Wir wollten zuerst in einen indischen Club. Der hatte keine freie Drinks und so zottelten wir weiter. Man muss dazu sagen, dass Drinks an die 40 Sing Dollars kosten können. Das ist also relativ teuer.
Die Arbeitskollegin führte uns in einen anderen indischen Club, der uns allen gefiel mal abgesehen von der übermässig lauten Musik. Anfangs war es ziemlich leer, weil wir zu früh dran waren. Aber um Mitternacht war er voll. Ich fragte die Kollegin, ob hier eigentlich auch Nichtinder hingehen. Sie meinte ja, das kommt sehr häufig vor. Denn anfangs sah ich weit und breit keine europäisch-aussehende Person. Am Schluss waren wir zu dritt und mit der einen sprach ich auch. Eine Russin, die in Singapur seit drei Jahren studiert und einen indischen Freund hat. Sie hat mich angesprochen, weil sie erfreut war, ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Der Ausgang endete finally sehr spät, kostete fast nichts ausser die Taxifahrt und wir hatten alle viel Spass. Nächsten Mittwoch wiederholen wir das Ganze.
Kategorien: Stadt
Mit Tag(s) versehen: Ausgang
Am Mittwoch wollte ich endlich die Postkarten abschicken, die ich schon so lange mit mir herumtrage. Leider ist es nicht einfach hier, erstens schöne Postkarten zu kaufen und zweitens Briefmarken dazu zu erwerben. In Singapur funktioniert vieles bargeldlos, so auch der Kauf von Briefmarken. Das System ist eigentlich wirklich gut, überall findet man diese S.A.M.s Automaten, womit man auch Rechnungen bezahlen und anderes erledigen kann. Leider braucht man dazu aber eine Karte einer Bank, welche ich nicht besitze. Die zweite Möglichkeit sind die 7 eleven Shops, nur verkaufen die bloss Inland-Marken. Und so blieb mir noch die letzte Möglichkeit, eine Post aufzusuchen, welche auch nicht wirklich einfach zu finden ist. Per Zufall wusste ich, dass es in Boon Lay eine MRT-Station von mir entfernt, eine Post hat.
So stand ich dann am besagten Tag in einer sehr sehr langen Schlange und brauchte für den Kauf von Marken eine halbe Stunde. Die Administration ist hier im allgemeinen wirklich sehr sehr effizient, das trifft offensichtlich nicht auf die Post zu. Ich war anschliessend etwas genervt und wagte mich dummerweise noch in einen Lebensmittelladen, der noch etwas überfüllter war als die Post. Aber ich habe ja eigentlich Zeit und muss nicht stressen…
Kategorien: Stadt
Mit Tag(s) versehen: Post
Morgen gibt es dann noch mehr Updates. Es ist nämlich nicht so, dass ich Däumchen drehe und nichts erlebe. Unter der Woche bin ich einfach ziemlich ausgelastet mit zwei Mal Tanzkurs und einmal Ausgang. Doch dazu morgen mehr…
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Am Wochenende war ich wieder mit der Hongkong-Connection unterwegs. Wir wagten uns an die Ostküste Singapurs und hatten etwas Mühe, mit den ÖVs dorthin zu kommen. East Coast Park ist mit der MRT leider nicht so gut erschlossen. Wir mieteten dort Fahrräder und radelten auf dem 10 km langen Küstenweg. Eine Stunde Fahrradmiete kostete 6 Singapur Dollar und erhielten dazu eine Stunde gratis und noch ein Getränk dazu.
Wagen ist eigentlich nicht mal so übertrieben, weil es etwas wagemutig war mit den Chinesen Fahrrad fahren zu gehen. Denn auch Velofahren ist keine Selbstverständlichkeit auf dieser Welt. Ich passte die ganze Zeit auf, ob noch alle da sind oder jemand auf der Strasse liegt und bildete deshalb eher das Schlusslicht. Es hat dann auch tatsächlich mehrere Crashs gegegeben, die glimpflich ausgingen. Denn Bremsen ist offenbar nicht jedermanns Sache und man nimmt teilweise die Füsse zur Hilfe.
Zudem ist das Abnehmen des Natels auf dem Fahrrad keine so gute Idee bei nicht so guten Fahrkünsten.
Ansonsten war es aber wieder ein wunderschöner Ausflug der Küste entlang, mit Strand, Parks und vielen Stopps zwecks Fotopause. Es ist mittlerweile ein Running Gag in der Gruppe, ein Foto mit hochspringenden Personen zu machen. Da kam der Selbstauslöser meiner Kamera zur Genüge zum Einsatz.
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Am Start
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In der Luft
Kategorien: Stadt
Mit Tag(s) versehen: Ausflug, East Coast, Velomiete
Dieses Thema bin ich euch noch schuldig.
Mein Alltag sieht so aus, dass ich mich entweder um 10.00 Uhr in der Jurong Regional Library oder in einer anderen Community Library einfinden muss. Dieses Modell ist noch gut, so lerne ich automatisch die vielen Bibliotheken des NLB in den Stadtteilen kennen. Das bedeutet aber auch, dass ich je nach dem eine Stunde früher aufstehen muss.
Die Distanzen habe ich aber mittlerweile relativ gut im Griff und bin deshalb immer pünktlich. Ev. mache ich dann mal eine Bibliothekstour durch Singapur mit Li Sa. Das würde nicht nur einen Tag sondern mindestens zwei Tage in Anspruch nehmen. Ich muss nämlich unbedingt die Sengkang Community Library anschauen, die fast ohne Personal funktioniert.
Meistens habe ich morgens Theorie oder erhalte einen Auftrag wie suche Medien für einen Schulanlass zusammen. Nachmittags habe ich vorwiegend Zeit, um an meiner Präsentation oder Dokumentation zu arbeiten. Am kommenden Freitag halte ich eine kleine informelle Präsentation über Bibliotheksszene in der Schweiz und vor allem über meine Arbeit und meinen Arbeitsplatz.
Zusätzlich schreibe ich noch an einem Artikel über meine Erfahrungen hier. Viel Zeit bleibt mir also nicht mehr für meinen Praktikumsbericht, den ich zumindest hier anfangen will. Aber das Konzept steht schon einigermassen und ich warte noch auf das Feedback meines Betreuers.
Fortsetzung im nächsten Beitrag…
Kategorien: Bibliothek
Mit Tag(s) versehen: Alltag, Arbeit